Weltschmerz?
So stärkt die Natur dein seelisches Gleichgewicht
Die aktuelle Weltlage ist manchmal schwer zu ertragen: Permanent prasseln Meldungen von sozialen Herausforderungen, ökologischen Krisen und politischen Tabubrüchen auf uns ein, der gesellschaftliche Ton wird rauer, die Positionen unversöhnlicher. Diese Entwicklungen bereiten vielen Menschen Sorge, und auf Dauer können sie sogar unsere seelische Gesundheit beeinträchtigen. In diesem Beitrag erfährst du, wie die Natur gerade in herausfordernden Zeiten dein mentales Wohlbefinden stärken kann.
Andauernder Stress, sei es durch globale Umbrüche oder beinahe Alltägliches wie hohe Arbeitsbelastung und schädlicher Medienkonsum, wirkt negativ auf unsere mentale Gesundheit. Er aktiviert den Teil in unserem autonomen Nervensystems, der für Anspannung zuständig ist. Der so genannte Sympathikus schaltet unseren Organismus blitzschnell und ohne unser bewusstes Zutun in den Überlebensmodus: fight or flight, kämpfen oder flüchten ist angesagt, manch eine*r erstarrt nun auch oder wird zum People Pleaser. Diese vier typischen Stressreaktionen sind grundsätzlich sinnvoll, denn sie helfen uns, akute Gefahren zu bewältigen. Doch wenn sich unser Körper nach großer Anspannung nicht erholen darf, wird der Stress chronisch, kann Körper und Geist schwächen und sogar krank machen: von Verspannungen und hohem Blutdruck über Kopfweh und Schlafprobleme bis hin zu Herzinfarkt, Diabetes, Burnout und Depression.
Aus dem Überlebensmodus
Die Natur bietet eine Vielzahl an Mechanismen, die unser Nervensystem wieder ins Gleichgewicht bringen. "Regulation" lautet das Zauberwort, wenn es darum geht, aus dem auf Dauer schädlichen Überlebensmodus herauszukommen. Denn das gesunde Nervensystem ist wie ein Pendel: Nach der Anspannung, die viel Energie verbraucht, schwingt es zur Entspannung, die es erlaubt, neue Kräfte zu sammeln. Menschen im Dauerstress verharren oft unfreiwillig im survival mode, ihr Nervensystem ist dysreguliert, sie sind weniger belastbar und anfälliger für stressbedingte Krankheiten. Menschen mit einem gut regulierten Nervensystem hingegen können zwischen den Zuständen wechseln: Sie gehen immer wieder in die benötigte Regeneration und bleiben so auf Dauer gesund und handlungsfähig.
Natur als Regulationspartner
Gerade in andauernden Belastungssituationen – und ja, ein eskalierender Wahlkampf on top all jener Dinge, die wir seit Ausbruch der Pandemie zu bewältigen haben, zählt definitiv dazu – gerade jetzt also ist es unabdingbar, immer wieder für Erholung und die Schwingungsfähigkeit des Nervensystems zu sorgen. Die Natur kann hierbei ein wirkungsvoller Partner sein. Von kleinauf lernen wir nämlich, dass unser Nervensystem immer dann entspannt, wenn wir uns sicher fühlen. Früher haben unsere engsten Bezugspersonen, meist ein Elternteil, unser Nervensystem co-reguliert. Heute sind es gute Freunde, die Familie – oder eben Pflanzen und Tiere. Ja, richtig gelesen! Durch Botenstoffe, Klänge, Berührungen und Mikroorganismen trägt die Natur aktiv zur Stressregulation bei.
Botenstoffe reduzieren Stress
Pflanzen strömen so genannte Terpene aus, denen eine wichtige Rolle in der Kommunikation mit ihrer Umwelt zukommt. Die unsichtbaren Botenstoffe dienen zum Beispiel dazu, vor Schädlingen zu warnen und Nützlinge anzulocken. Terpene sind also so etwas wie das Immunsystem der Natur, das ein gesundes Gleichgewicht erhält. Auf den Menschen haben sie ebenfalls eine regulierende Wirkung: Sie reduzieren nachweislich die Konzentration von Stresshormonen, senken den Blutdruck und aktivieren den Teil des autonomen Nervensystems, der Entspannung und Regenreation einläutet – den Parasympathikus.. Die Terpene schützen somit vor chronischem Stress, senken das Risiko stressbedingter Erkrankungen und halten unser Nervensystem in Balance.
"Alte Freunde“ regulieren Immunreaktion
Das Bodenbakterium Mycobacterium vaccae ist ein gutes Beispiel für die positive Wirkung von Mikroorganismen auf unsere mentale Gesundheit. Studien zeigen, dass das Bakterium niedrig-schwellige Entzündungsreaktionen regulieren kann und sich positiv auf stressassoziierte Erkrankungen auswirkt. Das in der Forschung als “Old Friends” bezeichnete Phänomen geht davon aus, dass der Mensch über Millionen Jahre engen Kontakt zu "alten Freunden" wie diesem Bakterium hatte. Erst durch die zunehmende Verstädterung ist die Verbindung und damit auch ihre regulierende Wirkung auf das Immunsystem verlorengegangen. Als Folge reagiert unsere Abwehr heute oft schon gegen harmlose Umweltreize und schießt auch bei psychosozialem Stress über, was in einer Entzündungsreaktion resultieren kann.
Vogelgesang und Kuscheln geben Sicherheit
Untersuchungen zeigen, dass das Hören von Vogelgesang Ängstlichkeit, Paranoia und irrationale Gedanken mildern kann. Der Klang der Natur vermittelt stattdessen ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit – ein wesentliches menschliches Grundbedürfnis und insbesondere in belastenden Zeiten ungemein wohltuend. Auch Berührungen können unsere Emotionen positiv beeinflussen, wenn wir sie als angenehm empfinden. So löst etwa das Streicheln eines Tieres oder das sanfte Ertasten von Baumrinde die Ausschüttung von Oxytocin aus. Das "Kuschelhormon" wirkt angstlösend, senkt den Blutdruck und verringert die Konzentration des Stresshormons Kortisol. Die Folge: Wir entspannen und fühlen uns unserem Gegenüber vertraut und verbunden. Spannend: Auch das Tier schüttet Oxytocin aus, wenn es den Kontakt genießt, so dass sich die Verbundenheit und Sicherheit noch verstärkt.
Naturgestützt zu mehr Balance
Regelmäßige Aufenthalte im Grünen und Kontakte zu Tieren sind also nicht nur angenehm, sondern haben tiefgreifende Auswirkungen auf dein seelisches Wohlbefinden. Sie verändern zwar nicht die Lage der Welt. Gerade in belastenden Zeiten können sie jedoch wirkungsvoll dazu beitragen, dich gesund und handlungsfähig zu erhalten. Also los: Raus aus dem Netz und rein in die Natur! Lausche auf die ersten Vögel des Jahres, atme tief ein, schnuppere am Waldboden, berühre einen Baum, weiches Moos oder kuschle mit deinem Haustier – und lasse die erholsame und stärkende Kraft der Natur auf deine Seele wirken. Positiver Nebeneffekt: Während du achtsam die Natur erlebst, hat dein Gehirn keine Zeit, sich mit den Problemen dieser Welt auseinanderzusetzen und erhält ebenfalls eine wohltuende Pause. Es wird dir diese kleine Auszeit mit mehr Kreativität und besserem Konzentrationsvermögen danken
Und wenn du noch mehr über die Kraft der Natur erfahren möchtest, schau dich gern mal bei meinen Seminaren und Workshops um.
– Ich freue mich auf dich!
Dorit von stadtauswärts.